“Det kan jo ske, at en kvinde en dag også kan være filosof…” og andre guldkorn fra Arendt

Vil man se Arendt i egen person, er der både klip og det fulde interview fra 1964, hvor Arendt er en af de få, hvis ikke den første, kvinde, der får æren af at blive interviewet af Günter Gaus i serien “Zur Person”. Det er sort-hvidt, det er vest-tysk TV og det er fra en tid, hvor man havde tid, var forberedt på, at TV ikke kun var til underholdning men også et medie til oplysning, og hvor der blev stillet krav til lytteren/ seerens opmærksomhed.

Link til YouTube video samt transskription (på tysk) er lagt ind under artiklen.

I interviewet lægger Gaus ud med at spørge ind til Arendt’s oplevelse af at være ene, eller en af meget få kvinder, i en mandsdomineret filosofisk verden, og om hun overhovedet tænker over det?

Arendt svarer på sin vante nøgterne facon tilbage, at hun ikke anser sig selv som filosof, og at hun tvivler på, at man i de filosofiske kredse ville optage hende som filosof. Ligeledes er det jo ikke sikkert, at filosofi fortsat vil være en mandlig beskæftigelse.

Det kunne jo ske, at også en kvinde en dag kan være filosof…

På denne måde lykkes det Arendt at undvige den for hende overflødige samtale om kvinders rolle. Arendt var ikke erklæret feminist, hun var faglig. Hun var ikke kvindelig tænker, hun var tænker. Arendt ønsker ikke at tilhøre en bestemt gruppering, det gælder for køn, religiøs tilhør og politisk ståsted.

Om kvindefrigørelsen siger hun, at hun egentlig er gammeldags i sin opfattelse, men også

“Det har ikke spillet nogen rolle for mig, jeg har ganske enkelt gjort det, som jeg gerne ville”

Interviewet både giver et indblik i personen Arendt, når hun opmærksomt lytter, hurtigt replicerer og alligevel tydeligvis har tænkt over alt det, hun bliver spurgt om. Tilsvarende fortæller hun, at alt, hvad hun har skrevet, skriver hun kun den ene gang. Sætningerne er tænkt igennem, før hun trykker på tasterne.

 

Uddrag fra den tyske transskription, hvorfra ovenstående citater er taget og oversat til dansk er indsat nedenfor.

 


Citater fra transskription:

Transkription af interviewet

Gaus: Frau Hannah Arendt, Sie sind die erste Frau, die in dieser Reihe vorgestellt werden soll. Die erste Frau, wenn auch freilich mit einer nach landläufiger Vorstellung höchst männlichen Beschäftigung: Sie sind Philosophin. Ich komme von dieser Vorbemerkung zu meiner ersten Frage: Empfinden Sie Ihre Rolle im Kreis der Philosophen, trotz der Anerkennung und des Respekts, die man Ihnen zollt, als eine Besonderheit – oder berühren wir damit ein Emanzipationsproblem, das für Sie nie existiert hat?

Arendt: Ich muss erst einmal protestieren. Ich gehöre nicht in den Kreis der Philosophen. Mein Beruf ist politische Theorie. Ich fühle mich keineswegs as Philosophin. Ich glaube auch nicht dass ich in der Kreise des Philosophen aufgenommen worden bin, wie sie freundlicherweise meinen. Sie sagen es ist ein männliche Beschäftigung. Es brauch ja nicht ein männliche Beschäftigung zu bleiben.

Es könnte ja sein, dass auch eine Frau einmal Philosophin sein wird…


Gaus: Ich verstehe. Nun, bitte, noch einmal auf die Emanzipationsfrage: Hat es dieses Problem für Sie gegeben?

Arendt: Ja, das Problem als solches gibt es natürlich immer. Ich bin eigentlich altmodisch gewesen. Ich war immer der Meinung, es gibt bestimmte Beschäftigungen, die sich für Frauen nicht schicken, die ihnen nicht stehen, wenn ich einmal so sagen darf. …. Ob ich damit Recht habe oder nicht, weiß ich nicht. Ich selber habe mich irgendwie, mehr oder minder unbewußt – oder sagen wir besser: mehr oder minder bewußt – danach gerichtet.

Das Problem selber hat für mich persönlich keine Rolle gespielt. Sehen Sie, ich habe einfach gemacht, was ich gerne machen wollte.


Gaus: In einem Ihrer wichtigsten Werke, der “Vita activa” oder “Vom tätigen Leben”, kommen Sie zu dem Schluß, Frau Arendt, daß die Neuzeit den Gemeinsinn, also den Sinn für die Erstrangigkeit des Politischen, entthront hat. Sie bezeichnen als die modernen gesellschaftlichen Phänomene die Entwurzelung und Verlassenheit des Massenmenschen und den Triumph eines Menschentyps, der im bloßen Arbeits- und Konsumvorgang sein Genügen findet. Ich habe dazu zwei Fragen. Zunächst: Wieweit ist eine philosophische Erkenntnis solchen Grades auf persönliche Erfahrungen angewiesen, die den Denkprozeß überhaupt erst in Gang bringen?

Arendt: Ich glaube nicht, daß es irgendeinen Denkvorgang gibt, der ohne persönliche Erfahrung möglich ist. Alles Denken ist Nachdenken, der Sache nachdenken. Nicht? Ich lebe in der modernen Welt, und selbstverständlich habe ich in der modernen Welt meine Erfahrungen. Im übrigen ist das ja von vielen anderen auch festgestellt worden. Sehen Sie, die Sache mit dem nur noch Arbeiten und Konsumieren, die ist deshalb so wichtig, weil sich darin wieder eine Weltlosigkeit konturiert. Es liegt einem nichts mehr daran, wie die Welt aussieht.

Eine zweite Frage in diesem Zusammenhang: Sie kommen in der “Vita activa” zu dem Schluß, daß die “eigentlichen weltorientierten Erfahrungen” – gemeint sind also Einsichten und Erfahrungen höchsten politischen Ranges – “sich mehr und mehr dem Erfahrungshorizont der durchschnittlichen menschlichen Existenz entziehen”. Sie sagen, heute sei “das Vermögen zu handeln auf wenige beschränkt.” Was bedeutet dies in der praktischen Politik, Frau Arendt? Wie weit wird unter diesen Umständen eine Staatsform, die wenigstens theoretisch auf der Mitverantwortung aller Staatsbürger beruht, zu einer Fiktion?

Arendt: Ja, ich will das mal ein bißchen einschränken. Sehen Sie, erstens besteht diese Unfähigkeit des sich wirklich sachgemäß Orientierens nicht nur für die breite Masse. Sie besteht ebenfalls für alle anderen Schichten. Ich würde sagen, selbst für den Staatsmann. Der Staatsmann wird umgeben, eingekreist, von einem Heer von Experten. Und eigentlich wäre hier die Frage zu stellen, zwischen dem Staatsmann und dem Experten. Der Staatsmann muß ja schließlich die Entscheidung treffen. Er kann sie sachgemäß ja kaum treffen. Er kann ja all das gar nicht wissen. Er muß es nehmen von Experten und zwar von Experten, die sich prinzipiell immer widersprechen müssen. Nicht? Jeder vernünftige Staatsmann holt sich die entgegengesetzten Expertisen ein. Denn er muß die Sache ja von allen Seiten sehen. Nicht wahr? Dazwischen muß er urteilen. Und dieses Urteilen ist ein höchst mysteriöser Vorgang. In dem äußert sich dann der Gemeinsinn. Was nun, sagen wir mal, die Masse der Menschen betrifft, so würde ich folgendes sagen: Wo immer Menschen zusammen sind, ganz egal in welcher Größenordnung, bilden sich öffentliche Interessen.


Günther Gaus interview med Hannah Arendt (1964) – YouTube – fuld længde 1:12 (tysk tale og undertekster)